“Kaum ahnt man etwas von den hochrangigen Fähigkeiten beim Anblick dieser bescheiden wirkenden jungen Frau.
Umso mehr gerät man ins Staunen über ihr souveränes Spiel, das in allen von ihr dargebotenen Werken als perfekte Symbiose von Emotion und Intellekt, von großer Kraft und zarter Empfindung und frei von jeder übertriebenen Eigenwilligkeit bezeichnet werden muss. Ob Beethoven, Bach, Haydn oder Rachmaninow, stets sind ihre Interpretationen fein gezeichnete Stimmungsbilder, die virtuose Kraft mit differenzierter Klanggebung und eleganter Wiedergabe vereinen. Hinzu kommt ein ausgeprägtes Gespühr für die Phrasierung ausdruckvoller Themen, für subtiles Gestalten von Tempo, Ausdruck und Dynamik, die Behutsamkeit ihres Anschlags, ihre technische Disziplin und ihre virtuose Brillanz.”
Die Rheinpfalz
“Nare Karoyan interpretierte die “Musica Ricercata I-XI” für Klavier von György Ligeti.
Sie verstand es mit geradezu ziseliertem Zugriff alle Facetten auszuleuchten, vom spartanischen auf das Intervall der Oktave beschränkten ersten Stück über die mit starkem Pedalgebrauch das Schwelgen andeutende Chopin – Walzer – Persiflage bis zum transparent gestalteten Fugato.”
Badische Neuste Nachrichten
“Im Mittelpunkt ihrer brillianten Vortrage... standen Werke von Robert Schumann...
Die gehäuft auftretenden furiosen Passagen meisterte die junge Künstlerin nahezu entrückt und in traumhafter Sicherheit, vermied dabei aber jegliches selbstgefälliges Gehabe. Im Gegenteil, Karoyans Spiel blieb ganz auf Werktreue und Tiefenwirkung konzentriert.”
Die Rheinpfalz
Pianist Nare Karoyan grew up in Yerevan, surrounded by contemporary art and dozens of vinyl records. This special atmosphere, created by the merging of different means of expression, remains an inexhaustible source of energy for her. During her quest to hone her artistic skills, Nare has had the honor to work with unique personalities like Pascal Devoyon, Pierre-Laurent Aimard, Peter Eicher, Anthony Spiri and Gérard Buquet. But none of this would have been possible without Boghos Noubar Pasha – a wealthy Armenian who purchased her orphaned great-grandparents from the Turks and Kurds during the Armenian Genocide and gave them a new life. Below, Nare tells her family’s story in her own words.
Like a potter coats his jug, so has Boghos Noubar Pasha shaped my family. That’s the reason I’ve called my story “Noubarashen” (“constructed by Noubar”). I owe a debt of gratitude to this man.
The wall of the basement bedroom in my family home is adorned with a black and white photograph. It’s a wedding photo of my great-grandmother Altoun Antoyan and great-grandfather Nazaret Karoyan, taken in the French town of Valence around 1927. The newlyweds attentively look at the camera; they had recently lost large parts of their families. What sort of people were my ancestors? I don’t know. I never met them.
Uri Degania: Nare, Du bist in Armenien aufgewachsen und bist zum Studium nach Deutschland gekommen. Was waren Deine Beweggründe?
Nare Karoyan: Die 90er Jahre – Jahre meiner Kindheit – waren eine sehr turbulente Zeit für Armenien: Untergang der Sowjetunion, Gründung der Republik, Krieg, Inflation, Migration, Jahre ohne Strom… Gleichzeitig waren das, wie so oft, Jahre, in denen die Künste einen Aufschwung ohnegleichen erlebten. Und da meine Eltern beide Künstler sind, spürte ich hautnah diese intensive Welle.
Wie die meisten Kinder in meiner Generation fing ich früh an zu musizieren. Irgendwann entschied ich mich für den Musikerberuf und hatte kurz vor meinem Schulabschluss das Glück einen wunderbaren französischen Geiger zu treffen, der mich bei einem seiner berühmten Freunde empfahl. Er hieß Pascal Devoyon. Das Unglaubliche daran war, dass ich die Aufnahmen dieses Pianisten seit meiner Kindheit kannte und liebte. Ich habe schließlich die Aufnahmeprüfung für seine Klasse in Berlin bestanden und bin nach Berlin gezogen.